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Balkonkraftwerk: Die wichtigsten Tipps, Tricks und Fakten

Der Mega-Trend der letzten Jahre: Solarstrom vom eigenen Balkon. Was es zu in puncto Genehmigung, Kauf und Aufbau zu beachten gibt, erklärt IMTEST.

Ein Einfamilien-Haus mit drei Varianten des Solakon-Balkonkraftwerks: am Balkongitter, auf dem Schrägdach und freistehend im Garten.
© Solakon

Wer weniger Strom kaufen möchte und nicht in einem Eigenheim wohnt, dessen Dach mit Solarpanels bestückt werden kann, kann mit einem Balkonkraftwerk trotzdem selbst Solarenergie produzieren. Die auch als Mini-Photovoltaikanlagen (kurz Mini-PV-Anlage) oder Steckersolargeräte bezeichneten Kraftwerke speisen ihre Energie nämlich ebenfalls in den häuslichen Stromkreislauf ein. Der Vorteil: Auch zur Miete Wohnende können mitmachen und die kleine Anlage dabei sogar selbst aufstellen – und zwar sofort, ohne behördliche Genehmigung oder Elektrofachkraft. Dennoch ist vor, bei und nach der Anschaffung eines Balkonkraftwerks einiges zu beachten. IMTEST hat die wichtigsten Punkte zusammengefasst.



Wie funktioniert der Aufbau eines Balkonkraftwerks?

Nicht jeder hat die Möglichkeit und das Geld, sich eine große Solaranlage aufs Dach bauen zu lassen. Doch es geht auch eine Nummer kleiner und viel simpler: mit einem Balkonkraftwerk, das man selbst aufstellen und anschließen darf. Das gilt auch für Mietende einer Wohnung ohne Garten. Solche Balkonkraftwerke lassen sich fast überall montieren. Am Balkongeländer, aber auch an einer senkrechten Hauswand, auf dem Dach der Gartenhütte oder der Garage. Um den eigenen Solarstrom zu produzieren, sind also nur wenige Schritte notwendig: Solarmodul(e) montieren, mit dem Wechselrichter verbinden und dessen Stecker in die nächstgelegene Außensteckdose stecken. Schon liefert die Anlage Strom, was die Haushaltskasse entlastet.

Eine Person installiert ein Solarpanel auf einem Hausdach.
Solarpanels bieten auch Privatpersonen die Möglichkeit, grünen Strom für zuhause zu produzieren. © Kindel Media/Pexels

Anschließend muss das Balkonkraftwerk noch richtig angemeldet werden. Wie das beim Marktstammdatenregister funktioniert, hat IMTEST hier ausprobiert.



Wie erzeugt die Anlage Strom?

Moderne Solarmodule beinhalten den Halbleiter Silizium. Der kann Licht direkt in elektrischen Strom umwandeln, der sich wiederum für Beleuchtung und elek­trische Geräte nutzen lässt. Zum Vergleich: Das Licht der Sonne bringt pro Quadratmeter über 2.000 Kilowattstunden (kWh) Energie pro Jahr, allerdings nur in den sonnenreichsten Gegenden der Erde nahe des Äquators. In Deutschland sind es immerhin noch 600 bis 1.200 kWh – je nach Gegend, Jahreszeit und Wetter. In Süddeutschland fallen die Erträge dabei grundsätzlich höher aus als in Norddeutschland.

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Vier Solarpanels, der Anker Solix Speicher und ein Smart Meter auf weißem Hintergrund.

Das Solarmodul produziert Gleichstrom. Der Wechselrichter wandelt ihn in haushaltsüblichen Wechselstrom um. Manche Geräte, wie Kühlschrank oder Router, laufen rund um die Uhr und können als Abnehmer dienen. Produziert die Solaranlage allerdings mehr Energie als in der Wohnung gerade verbraucht wird, so kann dieser nicht nutzbringend verwendet werden. Ohne Speicher geht überschüssiger Strom ins öffentliche Netz. In der Regel gibt es dafür keine Vergütung, da sich der Verrechnungsaufwand für die geringe Energiemenge nicht lohnt.

Wer clever ist, schaltet deshalb große Stromverbraucher wie Waschmaschine oder Geschirrspüler erst dann ein, wenn die Sonne kräftig auf die Solarmodule des Balkonkraftwerks scheint. Wer sich tagsüber oft auswärts aufhält und keine smarten Haushaltgeräte besitzt, kann manche Stromverbraucher auch mit einer Zeitschaltuhr programmieren. So starten sie erst gegen Mittag, wenn der größte Stromertrag zu erwarten ist.



Lohnt sich die Energie-Produktion auf dem Balkon?

Das hängt natürlich von der Leistung des Balkonkraftwerks ab. Zusätzlich spielt die Ausrichtung der Solarpanels eine Rolle dabei, wie effektiv die Mini-PV-Anlage arbeitet. Grundsätzlich erzeugt ein Balkonkraftwerk genug Energie, um die Grundversorgung zu decken. So entspricht die erzeugte Strommenge bei einem Modul mit einer Maximalleistung 380 Watt unter guten Bedingungen etwa 280 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht dem durchschnittlichen Jahresverbrauch eines Kühlschranks und einer Waschmaschine.

Mit einem Balkonkraftwerk erzeugt man also in der Regel nicht so viel Strom, dass sich eine Einspeisung ins öffentliche Stromnetz mit Vergütung lohnen würde. Für den Eigenbedarf dagegen ist die Anschaffung einer Mini-Solaranlage für den Balkon sinnvoll: Zwar wird durch ihren Einsatz meist nicht der gesamte Stromverbrauch gedeckt. Doch eine Ersparnis im niedrigen dreistelligen Bereich ist definitiv möglich. Eine gute Anlage kann in optimaler Position nämlich über 500 Kilowattstunden pro Jahr erzeugen. Nutzt man die auch wirklich, dann spart das selbst bei heutigen Strompreisen mehr als 200 Euro pro Jahr – zukünftig wohl eher mehr. Eine 1.000 Euro teure Anlage rechnet sich demnach mit etwas Wetterglück nach etwa fünf Jahren. Bei weniger günstigen Bedingungen kann es aber auch dreimal so lange dauern.

Das heißt allerdings, dass die Balkon-Solaranlage einige Jahre laufen muss, um die Anschaffungskosten von mehreren Hundert Euro wieder herauszuholen. Daher sollte man beim Kauf unbedingt auf eine möglichst lange Garantie achten. Seriöse Anbieter geben mindestens zehn Jahre auf den Wechselrichter mit seiner nicht ganz unempfindlichen Elektronik und mindestens 25 Jahre auf die Solarmodule.



Mini-Solaranlage für den Balkon kaufen

Kleine Balkon-Solaranlagen gibt es vorwiegend außerhalb des Fachhandels online zu kaufen. Sie sind zum Teil sehr günstig, einige kosten nicht einmal 100 Euro. Allerdings sind bei vielen dieser Billig-Angebote weder das passende Montagematerial noch ein Stecker vorhanden. Hier müssen Kaufinteressierte aufpassen, damit nichts nachgekauft werden muss. Außerdem kann bei einem fehlenden Stecker die Beratung durch eine Fachkraft nötig sein, was ebenfalls extra Kosten verursacht.

Halterung für Balkonkraftwerk für Balkongeländer
Wichtig ist, das Balkonkraftwerk mit den passenden Halterungen zu befestigen. Nicht immer werden diese mitgeliefert. © ELV

Praktischer sind die sogenannten “steckfertigen” Mini-PV-Anlagen für den Balkon. Diese sind bei spezialisierten Online-Händlern und/oder Herstellern erhältlich. Diese sind zwar etwas teurer – eher ab 500 Euro aufwärts – enthalten dafür aber wirklich alle Komponenten, um das Balkonkraftwerk in Betrieb nehmen zu können. Die wichtigsten Modelle hat IMTEST hier im großen Vergleich getestet.

Zudem empfiehlt es sich beim Kauf, auf die angegebenen Schutzarten zu achten: Ist die Balkon-Solaranlage der Witterung stark ausgesetzt, sollte die Mini-Solaranlage die Schutzart IP6X bieten. Das bedeutet, sie ist gegen Staub und vor Schäden durch einfache Berührung ihrer Oberfläche geschützt. Kabel und Wechselrichter sollten mindestens über die Schutzart IP64 verfügen (geschützt gegen Spritzwasser). Noch besser sind die Schutzarten IP65 (Schutz vor Strahlwasser) und IP66 (geschützt gegen schweres Strahlwasser).

Steckersolargerät: Das ist im Lieferumfang dabei

Werden die Pakete des neuen Balkonkraftwerks ausgepackt, so finden sich darin vor allem die großen Solarmodule. Fast alle großen Anbieter liefern ein bis vier starre Glasmodule, die jeweils rund 1,70 mal 1,10 Meter groß sind und knapp drei bis fünf Zentimeter dick. Das Gewicht der Module liegt meist zwischen 20 und 30 Kilogramm pro Modul. Es gibt allerdings auch Anbieter, die flexible Solapanels aus Kunststoff anbieten. Diese sind wesentlich einfacher zu händeln, bieten meist aber auch weniger Leistung.

Wichtiger Bestandteil der Anlage ist zudem der Wechselrichter. Dieser wandelt, wie bereits beschrieben, den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um – schützt aber auch vor Überlastungen, Stromschlägen und Kurzschlüssen. Außerdem sind – je nach geplantem Standort – Halterungen für die Montage am Balkongitter oder zum Aufstellen auf Rasen- oder Dachflächen dabei.

Für den Anschluss des Balkonkraftwerks reicht eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose vollkommen aus. Zwar empfahlen Elektroprofis lange Zeit, nur die speziellen Wieland-Steckdosen-Kombination zu nutzen, da diese als noch sicherer galt. Spätestens seit April 2024 ist aber auch eine normale Außensteckdose ausdrücklich erlaubt. So muss keine Elektrofachkraft für einen kostenpflichtigen Umbau beauftragt werden. Wichtig ist, schon beim Kauf auf die richtige Länge des Anschlusskabels zu achten, damit es beim Aufbau keine ärgerlichen Überraschungen gibt.

Anschluss-Set mit Einspeisesteckdose für Solar-Klein-Anlagen auf dem Balkon


So sieht die Wieland-Steckdose aus, die lange Zeit für Balkonkraftwerke empfohlen wurde, aber von einer Elektrofachkraft eingebaut werden muss. © Wieland

Bei vielen Herstellern sind mittlerweile auch Set-Preise mit Speicherlösungen im Angebot.



Der beste Platz zum Aufstellen

Der Standort entscheidet darüber, wie viel Strom die Anlage letztlich liefert. In Deutschland empfiehlt sich die Ausrichtung nach Süden. Sinnvoll kann bei einem Balkonkraftwerk mit zwei Modulen auch die Montage von je einem Modul Richtung Südosten und Südwesten sein. Aber auch Ausrichtungen nach Westen und Osten funktionieren. Dann erhöht sich der Stromertrag an den Morgen- und Abendstunden, wo man möglicherweise häufiger zu Hause ist und dabei auch mehr Energie verwendet als zur Mittagszeit.

Nicht ganz so wichtig wie die Himmelsrichtung ist der Winkel der montierten Solarmodule. Von der Waagerechten aus gemessen sollte er in Deutschland im Idealfall 30 bis 40 Grad betragen, um zu jeder Jahreszeit mit unterschiedlichem Sonnenstand möglichst viel Licht auf die Solarmodule zu bekommen. Denn der Stromertrag ist am höchsten, wenn die Sonnenstrahlen möglichst senkrecht auf ein Modul treffen. Doch auch ein komplett aufrecht am Balkongeländer oder an einer Wand, aber immerhin in Südrichtung montiertes Modul liefert noch ordentlich Strom – deutlich mehr jedenfalls als ein nach Norden ausgerichtetes. Wichtig ist zudem, die Solarpanels regelmäßig zu reinigen, damit sie so effizient wie möglich arbeiten können.



Genehmigungsfrei – mit kleinen Tücken

Diese offiziell „steckerfertige Photovoltaik-Anlage“ genannten Balkonkraftwerke sind genehmigungsfrei. Solange der Wechselrichter maximal 800 Watt in Hausnetz einspeist, fallen die Mini-PV-Anlagen unter die Bagatellgrenze. Dadurch dürfen sie von Nutzenden selbst installiert und angeschlossen werden – ohne, dass eine Genehmigung oder eine Elektrofachkraft gebraucht wird.

Nach neuester Gesetzeslage dürfen vermietende Parteien, Wohnungsbau- und Eigentümergesellschaften ein Balkonkraftwerk auch nicht mehr ohne triftigen Grund ablehnen – etwa Denkmalschutz des Gebäudes. Dennoch sollte man diese schon vor dem Kauf informieren, da ein Mitspracherecht bezüglich der Installation weiterhin besteht. Es darf zum Beispiel mitbestimmt werden, wie genau die Solarpanels am Haus angebracht werden dürfen.

IMTEST Angebot: Kleines Kraftwerk XL Quattro und Anker Solarbank 2 E1600 Pro

Vier Solarpanels, der Anker Solix Speicher und ein Smart Meter auf weißem Hintergrund.

Außerdem ist die Mini-PV-Anlage im Marktstammdatenregister einzutragen. Das geht ganz leicht über ein Online-Formular, das grundlegende Informationen über das Balkonkraftwerk fordert. Meistens lassen sich diese beim Hersteller als Info-Blatt abrufen. Der Netzbetreiber muss seit April 2024 nicht mehr gesondert informiert werden.



Allerdings darf sich der Stromzähler durch die Einspeisung nicht rückwärts drehen.Das bedeutet, dass alte, sogenannte Ferrari-Zähler ausgetauscht werden müssen. Dafür ist dann doch ein Bescheid beim eigenen Stromanbieter beziehungsweise Netzbetreiber nötig, der für den Tausch zuständig ist. Die gute Nachricht: Wer auf einen Termin warten muss, darf seine Anlage für die Übergangszeit bereits anschließen.

Fazit

Ein Balkonkraftwerk ist eine einfache Möglichkeit, Solarstrom zu erzeugen und damit die eigenen Stromkosten zu senken – auch für Mietende. Die Installation ist vergleichsweise unkompliziert, und eine Genehmigung ist nicht nötig. Die vermietende Partei muss der Installation zwar zustimmen, das ist meist aber nur eine Formsache. Vor dem Kauf sollten Interessierte sich über Leistung, Ausrichtung und Anschlussmöglichkeiten informieren. Mit der richtigen Platzierung und Nutzung kann sich die Investition dann schon nach wenigen Jahren lohnen. Wer auf langlebige Komponenten und eine sorgfältige Anmeldung achtet, profitiert langfristig von nachhaltigem und günstigem Strom.

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