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Balkonkraftwerk optimieren: Mit diesen Tipps mehr Strom

Selbst ein kleines Balkonkraftwerk kann Großes leisten. IMTEST verrät, wie Sie mehr aus Ihrer Solaranlage herausholen.

Solarpanels auf dem Flachdach
Beim Aufstellen von Solarpanels kommt es auf viele Faktoren an. © Benjamin Otterstein

Balkonkraftwerke machen es möglich, eigenen Solarstrom zu erzeugen – einfach, günstig und auch ohne eigenes Dach. Doch damit sich die Investition wirklich lohnt, kommt es nicht nur auf die Installation, sondern vor allem auf den laufenden Betrieb an. Viele unterschätzen, wie stark sich Ausrichtung, Verschattung oder die Wahl der Technik auf den Stromertrag auswirken können.

IMTEST zeigt, mit welchen Maßnahmen Sie das volle Potenzial aus Ihrem Balkonkraftwerk herausholen – und worauf Sie achten sollten, um den maximalen Ertrag zu erzielen.



1. Die richtige Ausrichtung: Mehr Sonne, mehr Strom

Beim Platzieren der Solarpanels eines Balkonkraftwerks kommt es nicht nur auf die Stabilität an, sondern auch die Ausrichtung. Sie entscheidet am Ende über die Effizienz und die Länge, die die Sonne auf das Panel einstrahlen kann.

Beispiel: Ein perfekt nach Süden ausgerichtetes Solarmodul bekommt natürlich die Sonne am längsten ab und ist besonders zur Mittagszeit effizient. Richtet man jedoch das Modul in Richtung Osten aus, hat man den besten Ertrag am Morgen. Ein Solarpanel kann in dieser kurzen Zeitspanne fast so viel Ertrag bringen, wie drei Module mit Südausrichtung.

Es kann sich lohnen, wenn man nicht alle Solarpanels in eine Richtung ausrichtet. © Benjamin Otterstein

Für die optimale Ausrichtung sollte man auch den eigenen Verbrauch einbeziehen. Besonders ohne Speicher ist man auf den direkten Verbrauch angewiesen, um das beste aus dem eigenen System zu holen. Es bringt also wenig, wenn man eine Südausrichtung anstrebt, aber den erzeugten Strom zur Mittagszeit gar nicht nutzen kann, weil man nicht Zuhause ist.

2. Der Winkel entscheidet

Neben der Ausrichtung sollte man auch den Aufstellwinkel beachten. Für Mitteleuropa sind im Sommer 30 bis 35 Grad optimal. Viele Halterungen lassen sich entsprechend anpassen und mit einem Winkelmesser kann man den Winkel perfekt ermitteln.

Im besten Fall verwenden Sie eine Halterung, deren Winkel einstellbar ist. Denn gerade in den Wintermonaten steht die Sonne tief und dies können Sie durch einen größeren Winkel ausgleichen. Ein steiler Winkel hat zudem den Vorteil, dass Schnee leichter herunterrutschen kann und damit die Solarzellen schneller freilegt.

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3. Verschattung minimieren: Abstände

Auf den Schattenschlag von anderen Gebäuden, Bäumen und anderen Objekten hat man selten Einfluss. Allerdings sollten Sie beim Aufstellen versuchen, solche Orte zu meiden. Überprüfen über einen Tag hinweg den geplanten Standort, um die Positionierung besser planen zu können. Auch kleine Äste, Geländer o. ä. können Ertrag kosten.

Möchten Sie mehrere Solarpanels im Garten oder dem Flachdach hintereinander aufstellen, sollten Sie unbedingt darauf achten, ausreichend Abstand zwischen den Reihen einzuplanen. Denn auch die Solarmodule werfen einen Schatten und damit können Sie die Ausbeute deutlich verringern. Der Abstand hängt vom Neigungswinkel ab.

Messen Sie den höchsten Punkt senkrecht zum Boden und multiplizieren Sie den Wert mit drei. Dann erhalten Sie einen groben Richtwert für den Mindestabstand. Weitere Informationen zu Abständen erhalten Sie hier.

4. Die richtige Hardware hilft

Besserer Ertrag braucht auch die richtige Hardware. Dies beginnt schon bei den Solarmodulen, die es in unterschiedlichsten Ausführen gibt. Die günstigsten Module bestehen aus polykristallinen Solarzellen, die eine sichtbare Struktur haben und meist bläulich gefärbt sind. Leider haben sie einen geringeren Wirkungsgrad als monokristalline Solarzellen. Sie haben einen vergleichsweise hohen Wirkungsgrad, sind meist sehr dunkel und auch etwas schwer – und teuer.

Eine gute Lösung für Flachdächer und Anlagen auf Freiflächen sind bifaziale Solarmodule. Sie können die Ausbeute deutlich erhöhen, da auch deren Rück- beziehungsweise Unterseite die vom Boden zurückgeworfene Strahlung nutzen können. Besonders bei hellen Untergründen – etwa im Schnee – wird dieser Effekt verstärkt. Bei Solarzäunen sollte ohnehin nur auf bifaziale Solarpanels gesetzt werden. Allerdings sind diese nochmals teurer als Module aus monokristallinen Solarzellen.

Bifaziale Solarmodule können auf beiden Seiten Strom erzeugen. © IMTEST

Speicher: Ja oder nein? Darüber wird unter Balkonkraftwerk-Besitzern schon lange gestritten. Mittlerweile gibt es viele Systeme mit integrieren Lösungen – etwa die Anker Solix Solarbank 2. In ihr vereinen sich Speicher und Wechselrichter zum vergleichsweise kleinen Preis. Allerdings lassen sich auch andere Balkonkraftwerke mit einem Speicher nachrüsten und das lohnt sich auf Dauer.

Gesetzlich dürfen Balkonkraftwerke mit dem einfachen Anmeldeverfahren nur maximal 2.000 Watt leisten, während bis zu 800 Watt im eigenen Haushalt genutzt werden können. Mit drei oder vier Panels generiert man jedoch mehr Strom und dieser sollte – auch wenn es nur ein bis zwei Kilowattstunden sind – in einem Speicher gesichert werden, um ihn später bei Bedarf abrufen zu können. Mit den fallenden Preisen lohnt sich die Anschaffung mehr und mehr.

5. Solar Tracker: Die Sonne im Blick

Bekanntlich erzeugen Solarmodule am meisten Strom, wenn sie im richtigen Winkel (90 Grad) zur Sonne stehen und sie möglichst gerade zu ihr ausgerichtet sind. Beides kommt nur kurz am Tag vor. Mit einem Solar Tracker kann man die perfekte Ausrichtung über den Tagesverlauf beibehalten und damit mit weniger Panels eine höhere Ausbeute erzielen.

Es gibt Solarkraftwerke wie das System von Smartflower, die sich mit der Sonne drehen. © Smartflower

Der Solar Tracker führt das Solarmodul zum Sonnenstand nach. Damit entfällt Punkt eins unserer Tipps. Allerdings haben die Geräte zwei Nachteile: Sie sind je nach Ausführung teuer und sie finden nicht auf jedem Balkon Platz. Beispielsweise Ecoflow gibt es für das Balkongelände ein Modell, das zumindest der Sonne folgt, aber den Neigungswinkel nicht anpasst.

Auf einem kleinen Garagendach können auch Modelle aufgebaut werden, die sowohl Neigung als auch die Richtung anpassen. Hersteller gehen von einem Ertragsplus von 30 bis 60 Prozent aus. Daneben gibt es auch clevere Komplettlösung wie Smartflower, die auch noch hübsch aussehen.

6. Smart Meter: Verbrauch überwachen und steuern

Viele Wechselrichter lassen sich heute per App überwachen oder mit einem separaten Monitoring-Tool, einem Smart Meter, koppeln. Das bringt gleich mehrere Vorteile: Sie erkennen frühzeitig, wenn die Anlage weniger Strom liefert als üblich – zum Beispiel durch Verschattung, Verschmutzung oder technische Defekte. Noch wichtiger aber: Sie sehen genau, wann Ihre Anlage wie viel Strom erzeugt. Und genau das ist der Schlüssel, um den Eigenverbrauch zu maximieren.

Lassen Sie stromhungrige Geräte wie Waschmaschine oder Spülmaschine gezielt dann laufen, wenn die Sonne scheint – also wenn das Balkonkraftwerk liefert. Zeitschaltuhren oder smarte Steckdosen erleichtern die Steuerung, eine Einbindung ins Smart Home bringt noch mehr Komfort. Denn wer weiß, wann Strom fließt, kann ihn optimal nutzen – und senkt so die Stromrechnung ganz ohne Verzicht.

7. Reinigung und Wartung

Was für Fenster gilt, trifft auch auf Solarmodule zu: Je sauberer die Oberfläche, desto mehr Licht kann eingefangen werden. Staub, Pollen oder Vogelkot können den Ertrag deutlich mindern – vor allem bei Anlagen mit flacher Neigung. Zwei- bis dreimal im Jahr reicht eine Reinigung in der Regel aus, idealerweise im Frühling und nach dem Sommer.

Eine Hand reinigt eine staubige Solaranlage mit einem Tuch.
Solarmodule sollten regelmäßig gereinigt werden, um eine bestmögliche Ausbeute zu gewährleisten. © Kleines Kraftwerk

Wichtig dabei: Verzichten Sie auf aggressive Reinigungsmittel und verwenden Sie nur weiche Tücher oder Schwämme, um die empfindliche Oberfläche nicht zu beschädigen. Achten Sie außerdem auf Ihre Sicherheit – gerade bei Anlagen in höherer Lage oder an schwer zugänglichen Stellen ist Vorsicht besser als Risiko.

Fazit

Mit der richtigen Ausrichtung, hochwertigen Komponenten und einem bewussten Umgang mit dem erzeugten Strom lässt sich der Ertrag eines Balkonkraftwerks deutlich steigern – ganz ohne große Mehrkosten. Wer zusätzlich auf smarte Steuerung und gegebenenfalls sogar auf Solar-Tracker setzt, kann noch mehr aus seiner Mini-Solaranlage herausholen. So amortisiert sich die Investition schneller – und das gute Gefühl, eigenen grünen Strom zu nutzen, gibt’s gratis dazu. Weitere Tipps, was vor, während und nach dem Kauf eines Balkonkraftwerks zu beachten ist, lesen Sie zudem hier.

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