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Thermomix TM7: Nur Werbung oder wirklich neu und innovativ?

IMTEST-Expertin Dr. Lotta Kinitz gibt ihre Einschätzung zum Thermomix TM7.

Ein zweigeteiltes Bild. Links die Redakteurin Dr. Lotta Kinitz, rechts der Thermomix TM7.
© Timm Kinitz, IMTEST / Dr. Lotta Kinitz

Nach dem spektakulären Launch-Event des Thermomix TM7 in Berlin wird der neue Vorwerk-Küchenhelfer bereits ausgiebig im Netz gefeiert. Alle Neuerungen, Funktionen und Details werden bereits diskutiert und in schillernden Farben beschrieben. IMTEST konnte sich bereits einen ersten Eindruck vom Umgang mit dem TM7 verschaffen. Als Expertin und jahrelange Nutzerin verschiedener Thermomix-Modelle, gibt Dr. Lotta Kinitz eine erste Einordnung der fulminanten Werbe-Versprechen.



Thermomix TM7: „Schön wie nie zuvor“?

Vorwerk schreibt seinem neuen Küchengerät viele tolle, neue Attribute zu – etwa innovativ, intuitiv, kraftvoll, schön, beeindruckend. Allen voran springt aber das neue Design ins Auge, da es sich deutlich von den Vorgänger-Modellen der letzten Jahre abhebt. Zum einen hat sich die Standard-Farbe von Weiß zu Schwarz verändert, zum andern ist die Silhouette einfacher geworden.

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Beide Design-Entscheidungen sind laut Vorwerk an die Wünsche des Marktes beziehungsweise der Thermomix-Community angepasst. Vor allem sind sie aber Geschmackssache. Spannend wird es aber sein, ob die Marke Thermomix es schaffen wird, die neue Form des TM7 ebenso zum Wiedererkennungs-Merkmal zu machen. Fans der Thermomix-Gemeinschaft verwenden die Silhouette ihres Lieblings-Geräts bisher schließlich mit großem Stolz auch für Kleidung und Raum-Dekoration.

Inwiefern der neue TM7, dessen Stil möglicherweise zu leicht mit anderen, herkömmlichen Mixern zu verwechseln ist, in diese Fußstapfen treten kann, wird sich zeigen müssen.

„Bedienung wie nie zuvor“

Das neue Design wirkt sich allerdings nicht nur auf die Optik, sondern auch auf einige neue Funktionen des Thermomix TM7 aus.

Beim TM6 wird der Deckel beispielsweise während des Kochvorgangs von beweglichen Greifarmen fixiert. Wollen Nutzende in den Mixtopf hineingucken, müssen sie den Kochschritt manuell unterbrechen. Der TM7 hingegen verriegelt den Deckel über einen internen Mechanismus und zudem erst ab Stufe 3. Beim Modus „Rühren“ sowie in den Stufen 1 und 2 hingegen kann der Deckel jederzeit vom Mixtopf abgenommen werden.

Ähnlich wie beim TM6 wird dadurch der Kochschritt allerdings unterbrochen. Denn aus Sicherheitsgründen stoppt das Messer, sobald Nutzende den Deckel lüften. Und auch der Countdown des jeweiligen Schritts bleibt stehen – sofern Guided Cooking verwendet wird.

Beim ersten Test-Kochen auf dem Presse-Event führte das bereits zu kleineren Problemen. Denn der Deckel kann auch nicht auf Wunsch verriegelt werden. Beim beworbenen „offenen Kochen“, das zum Beispiel für die Zubereitung von Spaghetti mit Soße empfohlen wird, war das Kochen dadurch etwas mühsam. Die Spaghetti sollten bei geöffnetem Deckel in den Mixtopf mit bereits enthaltener, heißer Soße gegeben werden. Anschließend war eine Dauer von drei Minuten vorgesehen, damit die Nudeln so weich werden, dass sie sich in den Topf herunterdrücken lassen. Dann sollte der Deckel wieder auf den Thermomix TM7, passte aber noch gar nicht. Als das Messer anfing, sich zu drehen, schoben die Nudeln den Deckel immer wieder hoch und stoppten damit automatisch den Kochschritt. Hier trat also bereits ein erstes Verbesserungspotenzial des neuen Wunder-Küchenhelfers zu Tage.

Andere Weiterentwicklungen, wie etwa die neue Mixtopf-Isolierung, das größere Touch-Bedienfeld und vor allem der geräuschärmere Motor, fielen im ersten Test aber positiv auf. Durch das bereits in die Basis des TM7 eingebaute Gleitbrett und die veränderte Deckel-Konstruktion müssen Nutzende zukünftig zudem weniger kostspieliges Zubehör für ihren Thermomix kaufen. Allerdings gibt es – zumindest zum Start im April – auch noch keine Kompatibilität mit dem Thermomix Friend oder dem Gemüse Styler mit Spiralschneider. Auf diese praktischen Extras müssen Kaufinteressierte demnach erst einmal verzichten.



Der Thermomix TM7 fasst „einfach mehr wie nie zuvor“

Diese Werbeaussage bezieht sich auf den Varoma-Aufsatz, der zum Dampfgaren verwendet werden kann. Dieser ist beim neuen TM7 nämlich eckiger geformt, sodass insgesamt mehr Volumen zur Verfügung steht.

Die Füllmenge des Mixtopfes ist hingegen bei 2,2 Litern geblieben. Ein Punkt, der auf den ersten Blick etwas enttäuschen mag. Viele Nutzende, insbesondere Haushalte mit größeren Familien, hätten sich hier vielleicht eine Änderung gewünscht. Der Konkurrent von Bosch etwa, kann 3 Liter fassen und ist damit für größere Portionen besser geeignet. Der springende Punkt, um das Füllvolumen beizubehalten, ist laut Vorwerk allerdings das Rezeptportal Cookidoo, zu dem IMTEST hier ausführlicher schreibt. Würde sich das Design des Mixtopfes komplett ändern, wären bisherige Rezepte nicht mehr mit dem TM7 und neue Rezepte nicht mit den Vorgänger-Modellen kompatibel. Das galt es bei allen Neuerungen zu vermeiden, erklärte eine Pressesprecherin IMTEST.

Sobald der neue Thermomix TM7 zum Testen zur Verfügung steht, wird IMTEST das Gerät noch genauer unter die Lupe nehmen. Bis dahin gibt es zum Beispiel hier weitere Informationen zu neuen Funktionen, Preis und Starttermin.

Fazit

Alles nur Werbung oder wirklich neu und innovativ? Sicherlich ist beim Thermomix TM7 beides im Spiel. Als langjährige Nutzerin des TM5 und TM6 kann ich sagen, dass definitiv ausreichend Innovation im neuen Modell steckt, um es zu rechtfertigen. Insbesondere der leisere Motor fiel im ersten Test bereits positiv auf – ebenso Features, wie die neue Hitzeisolierung des Mixtopfes oder das größere Bedienfeld. Die neue Funktion „offenes Kochen“ konnte hingegen beim ersten Ausprobieren noch nicht überzeugen und scheint noch Verbesserungspotenzial zu bieten.

Der Thermomix TM7 weckt nicht nur durch die große Launch-Show Interesse. Auch viele der neuen Funktionen konnten im ersten Test überzeugen. Für die Ausbesserung kleinerer Macken und aufgrund des noch fehlenden Zubehörs werde ich persönlich aber nicht direkt zum neuen Modell wechseln wollen.

Autorinnen-Foto von Dr. Lotta Kinitz in Farbe.
Dr. Lotta KinitzIMTEST-Expertin

Autorinnen-Foto von Dr. Lotta Kinitz in Farbe.

Dr. Lotta Kinitz schloss 2016 ihren Bachelor of Science an der HAW Hamburg ab. Anschließend absolvierte sie in Bonn den Master in Lebensmitteltechnologie...