E-Bike fahren testen

Mit dem E-Bike auf großer Fahrt

Immer mehr Deutsche sind auf E-Bikes unterwegs. Ob auf dem Weg zur Arbeit, im Urlaub oder abseits befestigter Pisten – für alles gibt­­’s das passende Bike. IMTEST hat zehn aktuelle Pedelecs getestet.

Der Boom ist ungebrochen: Mit 1,36 Millionen verkauften E-Bikes im Jahr 2019 verzeichnen die Hersteller zweistellige Zuwachsraten. Mittlerweile besitzen die Deutschen mehr als 5,4 Millionen E-Bikes. Und sie scheinen nicht genug bekommen zu können vom Radeln mit E-Unterstützung. Kein Wunder, denn nahezu jeder Weg lässt sich bequem mit einem E-Bike zurücklegen. Schließlich fühlt man sich sogar in hügeligem Gelände, als ob man mit sanfter Kraft von hinten angeschoben würde. Waren Räder mit Elektroantrieb anfangs eher für Senioren gedacht, haben große Hersteller wie Haibike, Kalkhoff oder Fischer ihr Angebot mittlerweile deutlich ausgeweitet und sprechen damit eine breite Zielgruppe an: Neben klassischen Pedelec-Modellen gibt es E-Lastenräder zum Transport von Einkäufen oder natürlich auch Kindern, elektrisch betriebene Rennräder und Mountainbikes. Damit auch Sie in die neue Radsaison mit einem Pedelec starten können, hilft IMTEST Ihnen, den Überblick zu behalten. Sie finden auf diesen Seiten alles zum Thema E-Bike sowie einen Test von zehn Neuheiten für 2020 – darunter besonders komfortable Pedelecs (SUV oder auch Crossover-E-Bikes genannt) und beliebte City- und Trekking-Bikes für Männer und Frauen.

Fahrrad- und E-Bike-Verkäufe

E-Bikes holen auf. Wie der Fahrradverband ZIV erhoben hat, ist der Fahrradbestand in Deutschland 2019 auf 75,5 Millionen Stück angewachsen. 4,5 Millionen davon sind Pedelecs und E-Bikes.

Verkaufte FahrrÄder

3.390.000 Stück ………………………………………………………………………. 2013

2.950.000 Stück ………………………………………………. 2019

3.390.000 Stück 2013

2.950.000 Stück 2019

Verkaufte E-Bikes

410.000 Stück ………………………………… 2013

1.360.000 Stück ……………………………………………………………………… 2019

410.000 Stück 2013

1.360.000 Stück 2019

Pedelec oder E-Bike: Die Unterschiede

Eines vorweg: Fahrräder mit Elektroantrieb sind keine Mofas und fahren nicht komplett selbstständig. Dominiert wird der E-Bike-Markt von sogenannten Pedelecs (engl. für Pedal Electric Cycle), bei dem der Fahrer selbst in die Pedale treten muss, damit der Motor mitarbeitet. Laut dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) sind 99,5 Prozent der verkauften E-Bikes heutzutage Pedelecs 25. Also Räder, die ein maximales Unterstützungstempo von bis zu 25 km/h und eine Nenndauerleistung des Motors bis maximal 250 Watt nicht überschreiten. Am häufigsten werden E-Trekking- und E-­City/Urban-Pedelecs verkauft. Danach folgen Mountainbikes mit E-Motor. Ein Schwerpunkt des Vergleichstests von IMTEST liegt daher auf diesen Modellen. Schnelle E-Bikes, die bis 45 km/h fahren können, machen hingegen nur 0,5 Prozent aller Verkäufe aus. Sie werden auch als E-Bikes 45 bezeichnet, sind versicherungspflichtig, benötigen ein Kennzeichen, und es gilt eine Helmpflicht

Der Antrieb macht’s

98 Prozent aller aktuellen E-Bikes werden über einen Mittelmotor angetrieben. Bei diesem mit Abstand populärsten Antriebssystem sitzt der Motor direkt am Tretlager. Dadurch ergibt sich ein ausgewogenes Fahrgefühl dank optimaler Gewichtsverteilung durch den zentralen und tiefen Schwerpunkt des Antriebs (der oft auch als Drive Unit bezeichnet wird). Um den E-Motor entsprechend zu steuern, messen Sensoren an der integrierten Tretkurbel wie viel Kraft der Fahrer beim Treten einsetzt. Danach richtet sich dann die zugeschaltete Unterstützungsleistung des Antriebs.

Mittelmotoren: Die meisten dieser Antriebe kommen vom Bosch, dem wichtigsten Ausrüster von E-Bikes. Auch die meisten Pedelecs aus dem Test besitzen einen Bosch-Motor. Kein Wunder eigentlich, fertigt das schwäbische Unternehmen doch seit über zehn Jahren schon Antriebe, die über die Jahre optimal an die Bedürfnisse von E-Bike Nutzern angepasst wurden. E-Bike-Motroren kommen außerdem von Shimano (das Bergamont im Test nutzt ihn) oder Brose (wie beim Fischer Viator 6.0i).

Nabenmotoren: Sie befinden sich direkt in der Hinterradnabe des Pedelecs und sorgen dort für eine kräftige Leistungsentfaltung und einen ruhigen Lauf des Motors. Ein Hinterradnabenmotor gelangt allerdings mit abnehmender Raddrehzahl an seine Grenzen – was etwa in bergigem ­Gelände der Fall sein kann. Im Hinterrad des Arthur-Bikes von Schindelhauer treibt ein 250-Watt-Nabenmotor von Mahle den 13,4 Kilogramm leichten Stadtflitzer an.

Bosch bringt das Pedelec auf Touren

Von Bosch E-Bike Systems gibt es derzeit drei Produktlinien für Antriebe: Die Performance Line gibt es für E-­Bike-Fahrer, die eher sportlich orientiert sind. Mit der Active Line von Bosch sind zumeist City-Pedelecs ausgestattet. Cargo Line ist seit 2020 die neueste Produktlinie von Bosch E-Bike Systems. Sie ist speziell für die immer beliebteren E-Lastenräder ausgelegt. Cargo Line ist seit 2020 die neueste Produktlinie von Bosch E-Bike Systems. Sie ist speziell für die immer beliebteren E-Lastenräder ausgelegt.

Aktuelle E-Bike-Antriebe von Bosch sind deutlich kleiner als noch ihre Vorgängermodelle. Der derzeit leichteste unter den Bosch-Active-Line-Motoren wiegt lediglich 2,9 Kilogramm. Dank seiner kompakten Maße lässt sich der kleine und sehr leise Antrieb fast ganz in den Rahmen integrieren und sorgt mit einem Drehmoment von maximal 40 Nm (Newtonmeter) für eine gleichmäßige Beschleunigung. Perfekt also für Fahrten im Stadtverkehr. Klein bedeutet aber nicht auch gleich günstig. Warum das so ist, sagt Thomas Göbel von Victoria: „Die Antriebe werden immer kompakter, leiser und auch drehmomentstärker, und die Akkus bieten immer höhere Kapazitäten. Ein Trend, der es uns Herstellern schwierig macht, die Preise der E-Bikes deutlich zu senken.“ 2020 hat Bosch zudem seinen stärksten E-Motor aufgebohrt und bringt mit der neuen Performance Line CX, der 4. Generation, ein Antriebssystem auf den Markt, das extrem leistungsstark und effizient ist und dabei leicht und kompakt bleibt. Der kraftvolle Antrieb reagiert nahezu ohne Verzögerung auf den Pedaldruck des Fahrers und sorgt für ein dynamischeres Fahrverhalten, indem der Motor extrem druckvoll beschleunigt. Für Jörg Schindelhauer, Mitgründer und Produktmanager der Berliner E-Bike-Schmiede Schindelhauer Bikes, ein Grund, den neuen Antrieb zu nutzen: „Bei unseren E-Bikes setzen wir ab 2020 beispielsweise bei dem Modell Oskar auf mehr Power durch die neue Performance-Line-Variante, welche mit 65 Nm für ein sehr sportliches Anfahrverhalten sorgt.“ Ob das aufgeht, können Sie in den Testberichten auf den nächsten Seiten lesen. Aber auch andere Pedelecs aus dem Test sind mit dem leistungs­starken Bosch-Performance-CX-Gen4-Motor ausgestattet. Beispielsweise das Kalkhoff Entice 5-B-XXL und das E-Horizon Expert 600 Gent von Bergamont.
 

Pedelec statt Fahrrad?

Auch wenn Pedelecs überaus vielseitig sind, herkömmliche Fahrräder können sie, etwa in der Stadt, noch nicht ersetzen. Dennoch wirken sich die stetig steigenden E-­Bike-Verkäufe (siehe Seite 6) in Maßen auch auf die Fahrradverkäufe aus: „Das klassische Fahrrad ist aber alles andere als nicht mehr en vogue – und wird es künftig auch nicht sein“, sagt Thomas Göbel von Victoria. Das liegt unter anderem da­ran, dass sich Pedelecs aufgrund ihres meist deutlich höheren Eigengewichts schwerer in Stadtwohnungen oder in Kellerräume tragen oder sich bei schlechtem Wetter nicht einfach über Rolltreppen zur U- oder S-Bahn mitnehmen lassen. Thomas Göbel meint aber auch: „In den nächsten Jahren wird es zu parallelen Entwicklungen in der Branche kommen, bei denen sich deutlich leichtere E-Modelle, die für den Kurzstreckenbetrieb getrimmt sind, durchsetzen.“ Eine Lanze fürs Pedelec in der Stadt bricht Max Thinius, einer von Europas führenden Futurologen mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit: „Mit dem E-Bike sind Strecken von 15 oder mehr Kilometern einfach zu bewältigen. Man braucht keinen Parkplatz mehr zu suchen, und das Pedelec kann ganz einfach an jede Form des öffentlichen oder zukünftigen autonomen Verkehrs angebunden werden. Auch wird es sich sehr tief in den Alltag der Menschen integrieren – Fahrradhersteller werden zunehmend zu vernetzten Tech-Unternehmen. Dabei verschafft das Rad, besonders als E-Bike, ein neues Gefühl mobiler Freiheit und Flexibilität und wird die Städte der Zukunft genauso prägen wie einst das Auto – nur mit mehr Lebensqualität für deren Bewohner.“
Für Matthias Grick von KTM ist es noch verfrüht, einen Abgesang auf herkömmliche Fahrräder anzustimmen: „Zwar ist der Aufschwung der E-Bikes mit keinem anderen Wirtschaftszweig zu vergleichen, wir verkaufen dennoch nahezu genauso viele Fahrräder wie E-Bikes. Ein großer Fehler wäre es daher, die Kundennachfrage im Nicht-E-Bike-Sektor zu vernachlässigen.“

"Vom Scott möchte ich gar nicht mehr abstiegen - So gemütlich ist es. Aber sein Preis..."
Horst Schröder IMTEST Experte
Horst Schröder
IMTEST-Experte

Kaufen oder leihen?

Auch wenn es günstige Pedelecs schon für unter 1000 Euro zu kaufen gibt – es gilt immer noch: Wer ein ordentliches Modell mit guten Fahreigenschaften sowie aktueller Antriebs-, Akku- und Bremstechnik will, muss dafür im Fachhandel deutlich mehr hinlegen als im Internet– allerdings erhält der Käufer dort auch eine optimale Beratung, und sein neues Bike wird gleich passend eingestellt. Die meisten E-Bike-Schnäppchen, die im Internet auftauchen, sind ohnehin Abverkäufe von Auslaufmodellen und oft ihr Geld nicht wert. Wer gern mit Unterstützung eines Elektro-Antriebs in der Stadt oder im Urlaub mit dem Rad auf große Fahrt gehen möchte, braucht dennoch nicht gleich den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens in ein neues E-Bike zu stecken, um mobil zu sein. Es gibt auch Leih-Angebote (Sharing) für E-Bikes, gerade im urbanen Bereich.

Was ist dran an solchen Angeboten? Ab 20 Euro pro Tag können in vielen deutschen Städten und Ballungsräumen E-Bikes ausgeliehen werden – sogar das US-Taxiunternehmen Uber mischt auf dem deutschen Markt mit und vermittelt E-Bikes in Berlin und München. Wer ein E-Bike für seinen nächsten Urlaub sucht, wird beispielsweise beim Anbieter Travel­bike fündig. Für Interessierte gibt es dort E-Bikes in Deutschland und Österreich zu mieten. E-Bikes im Abo gibt‘s von Rebike (siehe dazu auch das Foto oben links). Kaufinte­ressierte finden die besten Pedelecs für 2020 schon auf den nächsten Seiten.

Das imtest-fazit

Die gute Nachricht vorweg: Alle Pedelecs aus dem Test besitzen eine für den Straßenverkehr taugliche Beleuchtungsanlage. Nahezu alle sind mit Schutzblechen, Gepäckträger und einem sicheren Ständer ab Werk ausgestattet. Auch die Bremsen der Pedelecs bewährten sich im Test (mit nur einer Ausnahme sind Scheibenbremsen im Einsatz). Bei den E-Antrieben gab es aber teils deutliche Unterschiede: Wer Wert auf einen kraftvollen Begleiter in hügeligem Gelände sucht, kommt nicht am Testsieger bei den City- und Trekking-Pedelecs vorbei: Das Fischer Viator 6.0i hängt bei maximaler Unterstützung seines Brose-Mittelmotors sogar Crossover-E-Bikes wie das Scott Axis eRide Evo beim Berganfahren ab – obwohl dieses mit der aktuellen Bosch Performance Line CX 4Gen ausgestattet ist. Dafür spielt der Crossover-E-Bike-Testsieger durch dicke Schlechtwegebereifung und Mehrfachfederung seine Stärken auch auf Schotterpisten und Kopfsteinpflaster aus. Der Fahrer sitzt darauf sehr bequem – auch bei langen Touren. Allerdings ist der Preis des Scott mit knapp 5000 Euro nicht jedermanns Sache. Rund 1500 Euro günstiger und ähnlich komfortabel fährt es sich auf dem Victoria eAdventure 8.9. 

Schröder testet eBike für IMTEST
Testfahrten: IMTEST-Esperte Horst Schröder hat sich vom Fahrverhalten der Pedelecs überzeugt.

Zum Beitrag

Die 5 E-Bike-Trends 2020

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