Drohnen fliegen lassen: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Drohnen am Himmel: Für die einen ein Hightech-Spielzeug, für die anderen eine Bedrohung. Für den Streitfall und für uneingeschränkten Spaß sollten Nutzer ihre Rechte und Drohnen kennen.
Drohnen Fragen und Antworten
Quelle: IMTEST, Getty Images

Drohnen mit Konfliktpotenzial

Egal ob für eindrucksvolle Luftbilder oder spektakuläre Flugmanöver, Drohnen werden immer beliebter. Kein Wunder, schließlich werden die unbemannten Fluggeräte auch immer günstiger, lassen sich kinderleicht fliegen und warten mit neuen Kamera-Funktionen auf. Laut einer Erhebung des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) schwirren inzwischen rund 500.000 Drohnen durch den deutschen Luftraum, fast 96 Prozent davon von Hobbypiloten gesteuert. Entsprechend steigt das Konfliktpotenzial mit Unbeteiligten, denn das Regelwerk für Drohnenpiloten ist kompliziert. Besonders Themen wie Datenschutz und Privatsphäre sorgen immer wieder für Streit.

Dazu kommt: Seit dem 31. Dezember 2020 gelten EU-weit neue Regelungen für den Betrieb von Drohnen. Sie betreffen praktisch alle, die eine Drohne zu Hause haben und privat nutzen. So wird beispielsweise auch für Drohnen ab einem Gewicht von 250 Gramm ein Führerschein zur Pflicht. Außerdem entsteht ein kompliziertes Klassifizierungssystem. IMTEST klärt in diesem Artikel die zehn wichtigsten Fragen zur privaten Drohnennutzung.

Was lässt sich mit einer Drohne alles machen?

Vor allem zwei Dinge: pilotieren und Fotos schießen. Moderne Modelle sind ausdauernder, schneller und beweglicher als noch vor einigen Jahren. Dabei ist die Steuerung kinderleicht. Durch moderne Technik ist es beispielsweise nahezu ausgeschlossen, dass Drohnen ins Trudeln geraten, abstürzen oder sich zu weit entfernen – die Fluggeräte kann wirklich jeder steuern, ohne einen Absturz befürchten zu müssen. Mit einer Kamera bestückt lassen sich zudem wundervolle Bilder aus der Luft knipsen, etwa vom eigenen Grundstück oder im Urlaub von der Natur. Auch verfolgende oder andere spektakuläre Kamerafahrten „von oben“, die bis vor Kurzem professionellen Film-Crews vorbehalten waren, sind mit erschwinglichen Drohnen bereits möglich.

Drohnen steuern
Fest im Griff: Der Controller der DJI Mini 2 liegt perfekt in der Hand und erlaubt präzise Steuerung.

Darf man mit Drohnen überall fliegen?

Nein. So darf der Pilot nicht in Sperrzonen wie Kraftwerken oder militärischen Bereichen starten, landen oder fliegen. Tabu sind zudem Menschenansammlungen, Industrieanlagen, Autobahnen, Bahngleise, Krankenhäuser, Naturschutzgebiete, Verfassungsorgane, Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften sowie Gebiete in der Nähe von Flughäfen. Fremde Grundstücke dürfen nur mit Einverständnis des Eigentümers überflogen werden. Im Internet gibt es spezielle Karten, die zeigen, wo das Fliegen erlaubt ist, etwa map2fly.de. Der Drohnenpilot muss zudem in der Regel Sichtkontakt zur Drohne wahren. Nicht erlaubt sind Hilfsmittel wie Fernglas oder Monitor. Die Drohne darf also nur so hoch und weit geflogen werden, dass eine sichere Steuerung gewährleistet ist – maximal jedoch 120 Meter.

Drohnen Flug über Hafen nicht erlaubt
Flüge über Industrieanlagen wie den Hamburger Hafen sind mit Drohnen nicht erlaubt.

Ist es erlaubt, für Panorama-Aufnahmen Landschaften von oben zu fotografieren?

Bilder von Landschaften, die nicht in einer Flugverbotszone liegen (siehe vorige Frage), dürfen ohne Erlaubnis aufgenommen und veröffentlicht werden. Drohnenpiloten müssen allerdings das Persönlichkeitsrecht und damit das Recht am eigenen Bild fotografierter Mitmenschen respektieren. Sind Personen eindeutig zu erkennen, dürfen Aufnahmen ohne ihr Einverständnis nicht veröffentlicht werden.

Drohnen Panoramafunktion
Quickshots: Die Panorama-Funktion ist nur eine der tollen Automatik-Modi der DJI Mini 2.

Darf ich einen Stein nach der Drohne werfen?

Nein, selbst wenn Sie sich von einer Drohne bedroht oder belästigt fühlen. Rufen Sie stattdessen die Polizei.

Gibt es günstige Drohnen für Anfänger?

Ja, für die ersten Flugversuche oder als Geschenk für die Kleinen eignen sich Drohnen bis 100 Euro, etwa die Ryze Tech Tello für rund 95 Euro. Bei dieser Klasse geht es weniger um erstklassige Luftaufnahmen, sondern vielmehr um den Spaß am Fliegen. Kameras sind hier zwar auch oft an Bord, die Aufnahmequalität lässt aber meist zu wünschen übrig. Stattdessen führen die Leichtgewichte etwa Loopings und andere Flugmanöver auf Knopfdruck aus. Besonders lange Flüge sind aber nicht möglich, nach fünf bis zehn Minuten machen die Akkus schlapp. Im oberen Einsteiger-Bereich ist die DJI Mini 2 (ab 440 Euro) mit ordentlicher Kamera die erste Wahl. Wer auf „Follow me“-Funktion und Kollisionssensoren Wert legt, muss zu einem teureren Modell wie zum Beispiel der DJI Mavic Pro 2 (ab 1.300 Euro) greifen.

Die günstige Ryze Tech Tello überzeugt vor allem mit guten Flug-Eigenschaften.

Müssen Drohnen versichert sein?

In Deutschland ist eine Luftfahrthaftpflichtversicherung Pflicht. Zumindest dann, wenn die Drohne außerhalb der eigenen vier Wände beziehungsweise des eigenen Grundstücks zum Einsatz kommt. Denn verursacht die Drohne einen Sach- oder Personenschaden, kann es ansonsten teuer werden. Es gibt zwei Möglichkeiten: entweder eine Privathaftpflichtversicherung, die Schäden durch Drohnen miteinschließt, oder eine spezielle Drohnenhaftpflichtversicherung.

Darf ich eine Drohne benutzen, um mein Grundstück zu überwachen?

Im Prinzip ja, schließlich ist das Fliegen einer Drohne auf dem eigenen Grundstück ohne spezielle Genehmigung erlaubt. Zur Überwachung sind Drohnen aufgrund ihrer geringen Ausdauer allerdings nur bedingt geeignet.

Kann ich meinem Nachbarn verbieten, die Drohne über meinem Haus kreisen zu lassen?

Ja. Ohne Erlaubnis darf er nicht über Ihr Grundstück fliegen. Gärten und Terrassen anderer Personen sind schließlich durch das allgemeine Persönlichkeitsrecht geschützt.

Muss ich mich von Drohnen fotografieren lassen, die von anderen geflogen werden?

Nein. Wenn Sie nicht abgelichtet werden möchten, müssen Sie das auch nicht dulden. Andersherum: Der Pilot darf Sie nur mit Ihrem Einverständnis fotografieren – das geben Sie am besten schriftlich. Allerdings braucht der Pilot Ihr Einverständnis nur für den Fall, dass Sie auf dem Bild auch identifiziert werden können. Bedeutet: Macht der Drohnenpilot Aufnahmen aus einer großen Höhe, auf der Sie beispielsweise nur als Punkt erkennbar sind, ist Ihre Einwilligung nicht nötig.

Braucht man zum Fliegen einer Drohne einen Führerschein?

Das hängt vom Gewicht ab. Brauchten Hobbypiloten früher bei Drohnen ab zwei Kilogramm einen Führerschein, gilt dies seit 2021 schon ab 250 Gramm. Aus diesem Grund versuchen viele Hersteller, bei ihren Modellen unter der Grenze zu bleiben (etwa DJI Mini 2). Wer die Prüfung beim Luftfahrtbundesamt (LBA) online besteht, bekommt den Drohnenführerschein für fünf Jahre.

Unabhängig davon müssen Halter von Drohnen mit Sensoren, die personenbezogene Daten erfassen können (etwa einer Kamera), oder einem Gewicht ab 250 Gramm ihre Geräte beim LBA registrieren. Nur wenn die Drohne als Spielzeug gilt, entfällt die Registrierungspflicht. Nach der Anmeldung erhalten die Besitzer eine Nummer, die gut sichtbar auf der Drohne angebracht sein muss. Ohne dürfen sie nicht starten. Aufgrund des großen Andrangs gilt aber eine Übergangsfrist bis zum 30. April 2021. Bis dahin reicht ein Aufkleber mit Namen und Anschrift des Piloten.

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